Oelsnitz Erzgebirge

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Von der Kirchgemeindeschule bis zum Berufsschulzentrum


Der Wand
el vom dörflichen zum städtischen Schulwesen in Sachsen ist an der Geschichte der Schulbauten der Bergbaustadt Oelsnitz/Erzgeb. besonders an­schaulich nachvollziehbar. Der im 13. Jahrhundert gegründete Ort entwi­ckelte sich zwar über drei Jahrhunderte zu einem großen Bauerndorf, doch trotz eines Rittergutes gab es bis 1563 noch keine Schule. 1601 war ein erster Lehrer von der Kirchgemeinde angestellt worden.
Aber erst als aus dem Bauern­dorf ein bekanntes Handwerkerdorf mit zwei Innungssitzen entstanden und ab 1844 in einer Vielzahl kleiner Schächte die erste Oelsnitzer Steinkohle ge­fördert worden war, erhielt der Ort im Jahr 1876 ein großes Schulhaus. Das neue Schulgebäude war prachtvoll wie
eine Stadtschule.

Das hatte Gründe. Durch den Te
xtilhandel war eine kleine, aber vermögende Kaufmannschaft, die als Stifter für den Bau von Schulräumen und für Lehrmaterial tätig wurde, entstanden. Die äußerst sparsame Gemeinde hatte allerdings lange gezögert, für die große Zahl neuer Schüler ein gemeinsames Schulhaus bauen zu las­sen. Sie ließ anfangs weiterhin kleine Schulen in den Ortsteilen Oberoelsnitz, Neuoelsnitz und Niederoelsnitz errichten. Auch in Neuwiese und Oberwürschnitz, heute nach Oelsnitz eingemeindet, entstanden neue, kleine Schulhäuser. Aufgrund der Brandgefahr erhielten sie nun massive Wände und Schieferdeckung. Für das Niveau der Schulbildung war die Kleinteiligkeit kein Gewinn gewesen. Erst mit der weiteren Neugrün­dung von Schächten, 1871 nach dem gewonnenen Krieg gegen Frankreich, kam es zu einem erheblichen Impuls für die sächsische Wirtschaft, von dem die Orts- und Schulentwicklung in Oelsnitz profitierte. Neben vielen neuen Bergarbeiterfamilien zogen nun auch Bergbauingenieure und Verwaltungs­beamte in den Bergbauort. Damit stieg der Anspruch an die Gebäude, an das Geschäfts- und Vereinsleben und vor allem an die Schulbildung. Die Ge­meinde entschloss sich endlich, wie es auch die Volksbildungsgesetzgebung des neu gegründeten Deutschen Reichs forderte, die erwähnte mehrgeschos­sige Zentralschule bauen zu lassen. Bald schon machte sich weiterer Schul­raum erforderlich: an die Zentralschule wurden sechs Klassenräume, der so genannte »Starenkasten« angebaut. Die dreigeschossige »Rote Schule« folgte als Erweiterung 1897.

Die neue Schule am Viadukt, offiziell wurde sie als Zentralschule II bezeichnet, war  großstädtischen Gebäuden nachgestaltet. Verwunderlich war das nicht, denn Oelsnitz wuchs zum größten Dorf Sachsens und am Ende des 19. Jahrhunderts  hatte sich im Verlauf von nur 25 Jahren die Einwohnersc Zahl der schulpflichtigen Kinder fast verdreifacht. Bekannte Architekten aus Leipzig wurden beauftragt, die Schule, das Rathaus, die Diakon Friedhofskapelle zu entwerfen. Die Bürgerschaft des Ortes bekannte sic damit zu einer Zukunft der Gemeinde als Stadt.
Für moderne, kulturelle Gedanken waren die Mitglieder des Gemeinderates offenbar zu gewinnen, denn als in Oberoelsnitz der Schulraum knapp wurde, entstand nach der Sichtung mehrerer Angebote der Entschluss, den Dresdner Baurat August Grothe mit der Planung zu beauftragen. Baurat Grothe war damals einer der führenden Architekten im »Landesverein Sächsischer  Heimatschutz«. Dieser setzte sich für eine landschaftsbezogene, sächsische Bau ein. Das dörflich geprägte Oberoelsnitz erhielt mit der heutigen Goetheschule eine der wegweisenden ländlichen Schulen in Sachsen.
In den Krisenjahren zwischen den beiden Weltkriegen konnte ein derartiger Anspruch nicht mehr realisiert werden: die Neuoelsnitzer Schule wurde aufgestockt und erweitert, doch sie blieb ein Bau für die Massenabfertigung von Schülern. Erst mit dem Schulneubau an der Badstraße konnte der einstige Anspruch an zeitgerechte Unterrichtsräume wieder erreicht werden. Eine großzügige, landschaftsbezogene Gestaltung und modern ausgestattete Fachunterrichtsräume prägten das Schulgebäude. Die anderen Schulhäuser in Oelsnitz und Neuwürschnitz erfuhren hingegen keine nennenswerte Modernisierung. Mit dem Ende des Bergbaus begannen auch die Schülerzahlen zu sinken. Schulraum stand zunehmend leer.

Die nach 1990 verbindlichen Schulstruk­turen veränderten die Oelsnitzer Schullandschaft grundlegend. Die wertvoll­sten Bauwerke wurden modernisiert, andere abgetragen oder umgenutzt. Für die Mittelschule wurde ein neues Schulhaus eingerichtet. Seit einigen Jahren existiert in Oelsnitz kein Schulraum mehr so, wie er die Erinnerungen vieler Generationen von Schülern und Lehrern geprägt hat.

(Text-Auszug aus "Oelsnitz Erzgebirge ZEUGNISSE, Bilder Oelsnitzer Chronik 1901 )
 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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