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Bahnhofgeschichte

Freie Presse vom 29. Juni 2009

Nur das Stellwerk ist noch übrig geblieben
Neuoelsnitz als Knotenpunkt der Strecke Stollberg - St. Egidien vor 140 Jahren errichtet -Durch Oelsnitz fuhr auch elektrische Überlandbahn
. 1835 nahm in Deutschland die erste Eisenbahn ihren Betrieb auf. Mit ihr entstanden Bahnhöfe. Heute, über 170 Jahre später, geht gerade auf Nebenstrecken die Reise rückwärts - viele Bahnhöfe verschwinden von der Bildfläche. Ob noch in Betrieb, geschlossen oder bereits abgerissen
„Freie Presse" erzählt in loser Folge die Geschichten der Bahnhöfe des Erzgebirgskreises.

VON ELKE GOPFERT

Neuoelsnitz. Nur noch hinter hohen Büschen versteckte Schilder verraten, wo einmal der vor 140 Jahren zum Knotenpunkt ausgebaute Bahnhof Neuoelsnitz gestanden ha­ben muss. Kleingärtner genießen heutzutage Ruhe und Abgeschiedenheit, wenn sie denn die werktags stündlich oder am Wochenende im Zwei-Stunden-Takt vorbeifahrende Citybahn zwischen Stollberg und St. Egidien nicht stört.
1858 war für das Lugau-Oelsnitzer Revier über die Strecke von Niederwürschnitz nach Wüstenbrand eine Eisenbahnverbindung nach Chemnitz geplant worden und 1877 mit dem Bau der 19,46 Kilometer langen Eisenbahnlinie Stollberg - St. Egidien begonnen worden. Ab 1878 rollte der Eisenbahnverkehr für den wachsenden Kohlen- und Materialtransport. Ein Jahr darauf gab man die Linie für den Personen­rerkehr frei. In der Oelsnitzer Chro­iik erfährt man, dass am ersten Tag bereits 1200 Fahrkarten verkauft worden seien.
Im gleichen Jahr wurde dann Neuoelsnitz mit Lugau und Wüs­tenbrand verbunden. Wie wichtig der Bahnhof Neuoelsnitz im Laufe der Jahre wurde, belegt. die Anzahl der Reisenden 1913. Über 90.000 waren zwischen Wüstenbrand - Neuoelsnitz und St. Egidien - Stoll­berg jährlich unterwegs, wollten pünktlich zur Arbeit im Schacht er­scheinen. In seiner Blütezeit besaß der Bahnhof sechs Gleise, eine Drehscheibe, 17 Weichen und eine Doppelkreuzweiche. Das Einzugsgebiet reichte bis Oberwürschnitz und Neuwiese. Heute sind es noch zwei Gleise, und das alte Stellwerk steht noch. Längst hat es mit der Ei­senbahn nichts mehr zu tun, seit­dem automatische Schranken errichtet wurden. Mit dem Erwerb des ehemaligen Stellwerks am Neuoelsnitzer Bahnhof hatten Roswita und Lothar Bartschat 2006/2007 ein Denkmal gerettet und eine Kulisse. Denn das Stellwerk mit seiner markanten Fensterfront ist für unzählige Eisenbahnfreunde der gesuchte Hintergrund, wenn sie den Tradi­tionszug des Sächsischen Eisen­bahnmuseums in Hilbersdorf oder das Ferkeltaxi" fotografieren. Für Eisenbahnfreunde ist es schwierig geworden, einen Zug samt Stellwerk abzulichten, weil meist die alten Gebäude von neuer Technik ersetzt und abgerisseß werden. Die Bartschats freuen siiih, wenn sich Eisenbahnfreunde im ausgebauten Stellwerk treffen und Geschichten vom Schienenstrang durchs einsti­ge Kohlerevier erzählen.
Mit dem endgültigen Stilllegen der Linie (1990 der Personen-, 1996 der Güterverkehr) geht auch das Wissen darüber verloren, dass zum Beispiel 195o täglich 220 bis 240 Waggons mit Steinkohle aus dem Karl-Liebknecht-Schacht auf sechs Gleisen weitergeleitet und teilweise in die drei Anschlussrichtungen umrangiert worden waren. Außer­dem wurde jede Menge Grubenholz umgeschlagen. Gut ist es dann, wenn man sich wie die Oelsnitzer auf engagierte Ortschronisten berufen kann.
Seit 2003 verkehrt nun die City­Bahn zwischen St. Egidien und Stollberg. Sie hält nicht nur am neu gebauten Haltepunkt Neuoelsnitz an der Pflockenstraße, sondern in Oelsnitz an der Bahnhofstraße und in Mitteloelsnitz oberhalb des Rathauses. Gelungen ist die Tatsache, dass man von den Citybahnhaltepunkten bequem mit dem Bus erreichen kann, um sein Ziel, etwa das Bergbaumuseum, Einkaufsmärkte oder Naherholungszentren zu errei­chen. Die Busverbindungen in Rich­tung Stollberg-Lichtenstein-Zwickau oder Chemnitz-Hohenstein­Ernstthal-Glauchau und die seit 1998 in Betrieb genommene „Grüne Linie" zwischen dem „Städte-Drei­eck" Stollberg, Oelsnitz, Lugau be­fördern ihre Fahrgäste im Stunden­takt. 1997 hatten sich die Alt-Land­kreise Annaberg, Aue-Schwarzen­berg, Chemnitzer Land, Freiberg, Mittleres Erzgebirge, Mittweida, Stollberg und Zwickauer Land so­wie Chemnitz und Zwickau zum Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) zusammengeschlossen. Die Autobus GmbH Sachsen ist zentraler Anbieter des örtlichen Personen­und Nahverkehrs (ÖPNV).
Auf eine Bahn-Besonderheit können die Oelsnitzer noch verweisen. Im März 1912 hatte man mit dem Bau der Straßenbahnlinie Bahnhof Hohenstein-Ernstthal über Gersdorf, Niederlugau bis zum Oelsnit­zer Rathaus begonnen. Bergleute, aber auch der Güterverkehr waren auf die „Funkenkutsche" ange­wiesen, die im Februar 1913 ihre erste Fahrt hatte. Die Strecke war 11,35 Kilometer lang und bediente 18 Haltestellen. Die Bahn wurde mit rooo-Volt-Gleichstrom betrieben, besaß eine Spurweite von iooo Millimetern. Für die Bergleute aus Ho­henstein-Ernstthal, Oberlungwitz, Gersdorf, Niederlugau und Niederoelsnitz sowie für viele Frauen, die in Oelsnitz und Lugau wohnten und in den Textilfabriken in Hohen­stein-Ernstthal, Oberlungwitz und Gersdorf arbeiteten, war die Bahn eine zeitsparende Einrichtung. Ab 1914 wurden Frauen als Schaffner und Wagenführer ausgebildet und eingesetzt. Seit März 1960 fährt die Bahn nicht mehr, wurde durch Omnibusverkehr ersetzt. Insgesamt transportierte die Straßenbahn rund 1oo Millionen Fahrgäste und legte etwa 16 Millionen Kilometer zurück. Ein Modell steht heute im Zentrum von Oelsnitz.


Der neue Neuoelsnitzer Haltepunkt an der  Pflockenstraße mit Blick auf das sanierte Stellwerk
-FOTO: ANDREAS TANNERT

 

 

 

Das Archivbild aus den frühen sechziger
Jahren zeigt das
Neuoelsnitzer Bahnhofs-
gelände mit dem
Stellwerk im Hintergrund.
-FOTO: ARCHIV


HALTE-PUNKTE
• 1877 wurde mit dem Bau der 19,46 km langen Eisenbahnlinie Stollberg - St. Egidien begonnen und 1878 für Kohlen- und Mate­rialtransport eröffnet.
• 1879 gab man die Linie fü den Personenverkehr frei.
• Im gleichen Jahr wurde Neu­oelsnitz mit Lugau und Wüsten­brand verbunden. Der Bahnhof wurde zum Knotenpunkt der Strecke Wüstenbrand - Neuoels­nitz und St. Egidien - Stollberg.
• lggo wurde der Reiseverkehr zwischen Wüstenbrand und Neuoelsnitz eingestellt, 1996 der Güterverkehr.
• Seit 2003 verkehrt die City­Bahn zwischen St. Egidien und Stollberg.
• Auf eine Bahn-Besonderheit können die Oelsnitzer noch ver­weisen. Ab Februar 1913 diente die Straßenbahnlinie Hohen­stein-Ernstthal über Gersdorf, Niederlugau bis Oelsnitz Berg­leuten und Gütern als Transport­mittel. Die Strecke war 11,35 Ki­lometer lang und bediente bis 1960 18 Haltestellen.


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