Stadt Oelsnitz Erzgebirge

Sie befinden sich in: Home Zeitzeugen berichten Joachim Parthey

Hauer und Sprengmeister

Kurzbiographie von Joachim Parthey parthey011

- Geboren 1931 in Oelsnitz / Erzgebirge
- Von 1946 bis 1949 Ausbildung zum Bergmann im Steinkohlenbergbau auf dem Schacht „Gewerkschaft Deutschland"
- Nach kurzer Tätigkeit Delegierung zur Wismut, um als Fördermann in der Teufe des Schachtes 208 in Nieder­schlema zu arbeiten.
- Nach fast einem Jahr Rückkehr zur alten Tätigkeit als Hauer im Steinkohlenbergwerk.
- ab 1950 als Hauer im Objekt 11 (Niederschlema)
- Qualifizierung zum Sprenghauer, 1962 Sprengmeister, diese Tätigkeit währte bis 1985
- Von 1986 bis 1990 Beauftragter für das bergbauliche Sprengwesen im BBA
- mit Beginn des Jahres 1991 Bergbaurentner

Wichtige und interessante Stationen führten Joachim Parthey auch zu Sprengungen über Tage.

Zum Beispiel als die Wismut ihn 1987 im Eiswinter als Hilfe ins Braunkohlerevier nach Knappenrode delegierte, um festgefrorenen Abraum durch Sprengungen zu lösen oder zu beseitigen. „Damit sollte die Abraumförderung nicht zum Erliegen kommen. Denn, wenn die Förderbrücke mit einer Länge über 500 m, einer Höhe von 80 m und einem Gewicht von 12 000 Tonnen zum Stehen gekommen wäre, dann hätte dies das Aus für die ganze Region bedeutet. Durch das weit verzweigte elektrische Kabelsystem durf­te nicht elektrisch gesprengt werden. Alles ging nur mit Sprengschnur und Zündstift (Zündschnur).

Noch heute sehe ich die Bilder vor mir. Was damals die Menschen geleistet haben, davor ziehe ich den Hut". (Beitrag Freie Fresse 25.01.07). Beispiele weiterer Er­eignisse von übertägigem Sprengen waren 1988 eine Geländeregulierung des Auslaufes der Sprungschanze in Johanngeorgenstadt sowie der Abbruch der Zeche 50.

Grubenunglück am 15.07.1955

Herr Parthey erlebte das Grubenunglück am 15.07.1955 auf dem Schacht 250, bei dem 33 Bergleute den Tod fanden.

Joachim Parthey berichtet:

Am Freitag, dem 15. Juli 1955 fuhr ich mit meinem Kum­pel, Hauerbrigadier Wrobl, Joseph in der 3. Schicht auf der Sohle 480 eine eingleisige Gangstrecke auf, dieser Betriebspunkt lag ca. 150 m hinter dem Blindschacht 208b aus der Feldstrecke 807 NW. Wir hatten am Schichtanfang ein volles Ort, gegen 1:00 Uhr war die Masse abgefördert und wir begannen mit dem Schienenlegen, denn unsere 3,5 m Traverse war ausge­fahren, so dass wir die Schwellen nur noch hinzulegen brauchten, Schienen darauf und nageln. Aber was war das? Als wir hin und wieder ins Sohlenwas­ser griffen wurde ein Kribbeln, wie ein elektrischer Schlag spürbar. Wir holten eine Halbschale und schoben unsere Schienen in Richtung und nagelten diese fest. Nun konn­ten wir unser Bohrzeug aufstellen (damals Bohrmaschine „Herkules") und fingen an zu bohren. Auf einmal kam unser Lokfahrer und sollte uns holen, er sagte: „Der Schacht brennt!". Nie haben wir so etwas für möglich gehalten, noch dazu im nassen Erzbergbau. Wir bohrten weiter, wollten keinen Meter Vortrieb verlieren. Ca. 1/4 Stunde später erschien unser Schichtsteiger mit der­selben Lok und machte uns die Situation klar. Wir beide hinten auf die Lok, vorher mussten wir unsere Hemden nass machen und vor den Mund binden. Unsere Fahrt ging am Blindschacht 208 b auf der Feldstrecke 807 vorbei in Richtung Qu. 803 nach dem Blindschacht 38 b. Wir gehörten zum Schacht 250, fuhren dort von Übertage ein und über dem Blindschacht 38 b zu unseren Betriebs­punkten.

Ca. 100 m vor Blindschacht 208 b nur schwarzer Rauch, da ging es mit Volldampf durch, die Lok durfte nicht aus dem Gleis springen, sonst wären wir verloren. Als wir am Blindschacht 38 b ankamen waren viele Kumpels schon da und wir fuhren aus.

Es war im und auf dem Schachtgelände ein großes Durch­einander, keiner wusste so richtig, wo es brennt, es waren einige Rettungsmannschaften eingetroffen. Gegen 4 Uhr waren wir Übertage und fuhren wie immer vom Gummi­bahnhof nach Hause.

Samstag Mittag weckte mich meine Frau und sagte mir, dass viele Kumpel von der Frühschicht wieder nach Hau­se geschickt wurden, keiner außer die Grubenwehr darf einfahren (damals wurde am Sonnabend noch 3-schichtig gefahren).

In der nächsten Nachtschicht wurden wir Übertage zu Trans­portarbeiten eingesetzt. Wir erfuhren über den „Busch­funk", dass es viele Tote gab und aus unserem Revier auch noch die Brigade Abendroth vermisst wurde. Natürlich war auch die Wetterführung umgeschlagen. In den Tagen darauf gab es viele Gerüchte, nicht alles stimmte. Als dann nach 3 Tagen das Schichtdrittel der Briga­de Abendroth lebend geborgen wurde, kam bei vielen noch einmal Hoffnung auf. Diese Brigademitglieder hatten sich in der Strecke mit Pfosten und Lehm eine Mauer erstellt und sich somit vor den CO-Brandgasen schützen können. Der Blindschacht 208 b war mit Bolzenschrot ausgebaut und durch einen Kabelbrand völlig ausgebrannt. Der Qu. 802 NO bis zur Feldstrecke 807 war durch zwei Wettertü­ren wettermäßig gebremst. Wir sind auch oft diesen Weg gegangen. Im Nachhinein erfuhren wir, dass eine Mauer­brigade zum Blindschacht 208 b geschickt wurde, um die Umfahrung und den Mittelzugang abzumauem. Als diese Kumpel fertig waren, sind sie nicht über Qu. 803 zurück,

Unter den Toten auch unser ehemaliger Nachbar, der Hönlein, Teddy aus der Alfred-Kempe Str. 11, der Maurer war. Wir erfuhren auch, dass der Oberste der Bergbehör­de, Herr Markstein aus Siegmar unter den Opfern war. Die CO-Gase waren ja am Anfang des Brandes bis zum Blindschacht 38 b gedrungen, im Pickhammermagazin war unser Revierschweißer ganz friedlich, sitzend und auf Aufträge wartend eingeschlafen, Tod durch CO-Gase. Da­neben in der Umfahrung ging eine sehr tiefe Wassersaige zum Pumpensumpf, dort wurde auch aus der Wassersaige ein Kumpel tot geborgen. Es war viel Leid, wir kannten ja so viele persönlich. Damals hätte keiner gedacht, dass ein Schacht im Erzbergbau brennen kann. Nach dieser Brandkatastrophe war man schlauer, an je­dem Streckenkreuz war eine Brandschutztafel mit Hacken, Schaufeln und Feuerlöscher angebracht. Monatlich gab es eine Fluchtwegbelehrung und Begehung.

Circa zwei Wochen nach dem Brand kam es wieder zu einem Kabelbrand.

Wir fuhren 3. Schicht (Wolf, Günther und ich) und waren fast mit dem Abbohren der Scheibe fertig, ich wollte nur noch die Bohrkronen wechseln und lief zum Frühstücks­platz zurück. Dort hatten wir damals eine Pressluftlampe hängen fürs Licht, ich dachte es brennen dort zwei Luftlam­pen, nein es brannte, ca. 10 m Gummikabel lichterloh. Ich zurück, meinen Kumpel geholt, zum Streckenkreuz einen Feuerlöscher geschnappt und zum Brandherd zurück, aber leider konnten wir nicht mehr wegen berg_ist_freides schwarzen Qual­mes zum Brandherd. Wir mussten so schnell wie möglich zurück, um den Dispatcher zu verständigen. Diesmal funk­tionierte die Benachrichtigung. Nachtschicht raus - Gruben­wehr rein, die Frühschicht in Schlema hatte keine Einfahrt. Wir beide wurden sofort zum Obersteiger Horst Radecker Schacht 250, wo auch die sowjetische Einsatzleitung war, geholt und mussten risslich den Brandherd belegen. Eine Woche später erhielten wir jeder eine Geldprämie für um­sichtiges Handeln.

Ich war damals 24 Jahre alt.

Joachim Parthey                          Stollberg, den 18.11.1998

(Foto oben von links: Erich Kluge, ehm. Sprengleiter Bergbaubetrieb Aue, Buchautor Fachliteratur
Siegfried Woidtke, Hauer, ehem.  Wismut Schlema, Buchautor,
Joachim Parthey, Hauer, Sprengmeister ehem. Wismut Schlema, Chronist Eichenbuschsiedlung)

(Biographie aus Bildbandreihe “ Der Berg ist frei “, Band V , von Siegfried Woidtke )

nach oben


 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

good views "Oelsnitz Erzgebirge"

Anmelden

English Chinese (Traditional) Czech French German Italian Japanese

Glück Auf!

Wir haben 51 Gäste online

Montantourismus

  Erlebnisheimat_Erzgeb
 

                   Siegel_Montanregion

                  kultlogoK_200_100

     Erzgebirge - informativ - gesucht und gefunden

logo1

Logo-800-Jahre-Oelsnitz_RGB_72dpi