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Heimat ist der Bergbau des Erzgebirges

Die Stube verrät: Hier wohnt ein Kumpel siegfried_woidtke001

ZU HAUSE BEI: Siegfried Woidtke - Dessen emotionale Heimat ist der Bergbau des Erzgebirges - Er träumt von einem eigenen Huthaus voller Holzgeruch

VON CHRISTINA ZEHRFELD

Aue. In den vergangenen Jahrhun­derten wurden an den Hängen des Brünlasberges Eisenerze abgebaut. Ab Mitte der 196oer Jahre entstan­den hier mehrgeschossige Wohn­häuser. Seit 1972 wohnt in einem der Blocks Siegfried Woidtke, ein Idealist und Buchautor, dessen emo­tionale Heimat der Bergbau des Erz­gebirges ist.

Nüchterne Beliebigkeit emp­fängt den Besucher im Hausflur. Doch wer nach wenigen Stufen die Wohnung betritt, weiß sofort: Hier wohnt ein Kumpel und echter Erz­gebirger. Auf den wenigen Quadrat­metern der kleinen Stube findet sich eine kleine Mineraliensamm­lung, eine Parade erzgebirgischer Bergmänner aus Zinn und ein als Pyramide gestaltetes Wismut-Berg­werk. Am Schrank hängt eine Uni­form und Woidtkes Augen leuch­ten, als er erzählt: „Das ist das Habit eines Neustädtler Bergmanns mit gelber Hose und Arschleder. Das hat mal ein Mensch getragen."

Die Faszination des Bergbaus hat der heute 61-jährige Woidtke mit der Muttermilch aufgesogen. Bereits sein Vater war Hauer und Brigadier im Schacht. Und so hat Woidtke in Schlema Hauer gelernt.

Nach einem Arbeitsunfall musste er umschulen, wurde Dreher, hat die 10. Klasse nachgeholt und ist Meister für Maschinenbau geworden. Sechs Arbeitsjahre an der Erdgastrasse in Russland haben ihn zum Schreiben gebracht: „Ich hatte damals sehr viel Briefverkehr." Vom Briefeschreiben ist Woidtke zur Lyrik gekommen, hat inzwischen drei Bücher mit Ge­dichten und Sprüchen publiziert. Dazu kommen zwei Märchenbücher und die fünfbändige Reihe „Der Berg ist frei", mit der der Autor einen Streifzug durch die hiesige Bergbau­welt unternimmt. Für sein Hobby nimmt Woidtke die kleine Woh­nung, die keinen Platz für große Sammelleidenschaften lässt, gern in Kauf: „Ich stecke mein Geld lieber in die Bücher."

Und so wird auch die Uniform demnächst als Dauerleihgabe außer Haus gegeben. Für Woidtke Normali­tät: Modelle des Türk-Schachtes und der Schächte 38 und 371 befinden sich bereits als Leihgabe im Kultur­haus Aktivist in Bad Schlema.

Und Schlema hat Woidtke auch für sein bisher größtes Projekt auserkoren: Ein Bergmannsdenkmal aus Bronze soll nahe der Promenade am Kurhaus aufgestellt werden. Die Fra­ge „Warum ein Denkmal, gibt es da nicht schon genug?", wehrt er ab: „Es gibt Bergbaudenkmale, aber die sind sehr alt. Ich will etwas mit heutigen Vorzeichen machen, einen Altberg­mann und ein Bergmann der Neuzeit mit Blick ins Deformgebiet." Die Ver­treter der schwersten Arbeit will Woidtke zeigen und dabei die Anfän­ge und den Abschluss des hiesigen Bergbaus verbinden. „Der Bergmann als Wegweiser". Das ist die höchste Form, Aufmerksamkeit zu erwe­cken." Von den benötigten 50.000 Euro hat Woidtke inzwischen 1ooo Euro zusammen. Er sucht dringend Förderer und Mitstreiter für sein Pro­jekt, das auch künstlerisch höchsten Ansprüchen genügen soll. Dass er seine Ziele beharrlich verfolgt, hat er längst bewiesen: Zwischen 2002 und 2004 hat Woidtke drei Gedenksteine -„Ehre dem Bergmann" in Schlema, in der Nähe des Besucherwerkwerks „15II/b", in Zwönitz an der Alten Lößnitzer Straße und am Schind­lerschacht in Neustädtel - als Weg­marken etabliert.

Ein Idealist eben, der die Berg­bautradition in Büchern und in Be­wusstsein der Menschen bewahren will. Dafür wird daheim Minimalis­mus gelebt, die Historie im Keller gestapelt und manchmal ein biss­chen vom bergbaunahen Wohnen geträumt. Woidtke: „Ich hätte gern ein Huthaus, wo ich das Holz rie­chen kann."

@ www.bergbaubuecher.de

NACHGEFRAGT

Wo ist für Sie der schönste Flecken im Erzgebirge?
Einer der schönsten Flecken ist für mich am sogenannten Viech­zig-Ring in Hundshübel. Das ist der höchste Punkt mit herrli­chem Ausblick auf die Talsperre Eibenstock.

Welches für das Erzge­birge typische Gericht essen Sie am liebsten?
Grüne Klöße mit Sauerkraut. Aber selbstgemacht. Da macht mir schon die Vorbereitung Spaß.

Mir welchen Pfunden des Erzgebirges wird Ih­rer Meinung nach noch zu wenig gewuchert?
Mit der Welt, wie sie schon An­ton Günther beschreibt: Ver­schwiegene, naturbelassene Winkel, wo die Natur noch in­takt ist. Die schöne erzgebirgi­sche Landschaft wird vielerorts kaputt gemacht.

Bild oben: Siegfried Woidtke plant ein Bergmannsdenkmal in Bad Schlema.



 
 
Auf den Spuren des Steinkohlenbergbaus im Freistaat Sachsen

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