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Erinnerungen und Geschichten zum Bergbauwandel

Oelsnitz: Im Bergbaumuseum ist neue Ausstellung zu sehenOelsnitz-chronist

"Bergbaulandschaft im Wandel" zeigt, wie der Steinkohlenbergbau die Lugau-Oelsnitzer Region geprägt hat

Oelsnitz. Der Bergbau hat die Landschaften genauso geprägt wie die Menschen und die Wirtschaft. Vieles ist geblieben, manches gänzlich verschwunden, anderes kaum wiederzuerkennen. Diesen Wandel dokumentiert die Sonderschau "Bergbaulandschaft im Wandel" im Bergbaumuseum. Entstanden ist sie in der Arbeitsgruppe Steinkohlenweg in Zusammenarbeit mit dem Fotoclub Oelsnitz.

Etwa 50 historischen Aufnahmen von Schächten, Gebäuden und Anlagen in Oelsnitz, Lugau, Gersdorf, Hohndorf und Niederwürschnitz stehen nun Fotos gegenüber, die jetzt entstanden sind. So weit es überhaupt möglich war, wählten Joachim Ebert aus Gersdorf und Arndt Gaube aus Oelsnitz dafür den gleichen Standort wie die Fotografen der Fotos von früher. So steht einer Aufnahme vom Besuch des Königs anlässlich der Straßenbahneinweihung 1913 vor dem Gersdorfer Rathaus ein aktuelles Rathausfoto gegenüber oder einem Blick auf die Deutschland-Schächte I und II aus der Zeit um 1950 die Deutschland-Schacht-Halde, wie sie heute das Stadtbild von Oelsnitz prägt.Oelsnitz-chronist2

Was die Ausstellung nicht bietet, sind die vielen Geschichten, die sich um diesen Wandel ranken, die Schicksale, die damit verbunden sind, die Gefühle ehemaliger Bergarbeiter, als ihre einstigen Arbeitsstätten nach und nach verschwanden. Einer, der solche Geschichten erzählen kann, ist Ullrich Winter. Der gebürtige Oelsnitzer beschäftigt sich als Ortschronist intensiv mit der Historie seiner Heimat, hat aber auch die Arbeit unter Tage selbst erlebt. Ab 1964 erlernte er den Beruf eines Grubenelektroschlossers und hatte "auf allen Schächten in Oelsnitz und in allen möglichen Abteilungen" zu tun. Nachdem er ausgelernt hatte, war er als Elektriker im 4. Revier im Friedrich-Engels-Schacht direkt im Abbau tätig.

Als nach der Umprofilierung die Deutschlandschächte I und II verschwanden, sei ihm "das schon nahe gegangen", erzählt er. Denn in dem Schacht erlebte er seine ersten Stunden im Abbau. "Wenn man daran denkt, könnte man weinen." Es seien viele Erinnerungen, die hochkamen. Wie er nach der Arbeit in der Schachtuniform durch den Ort lief, wie es juckte, wenn der Kohlenstaub auf der verschwitzten Haut hängen blieb. Oder auch, wie er als Junge fasziniert war, als er vom Polytechnischen Unterricht auf dem Albert-Funk-Schacht aus ins Maschinenhaus von Schacht II schauen und die Dampfmaschine dort beobachten konnte.Oelsnitz-chronist3

Er laufe auch heute noch ganz bewusst durch die Gegend. "Die Schächte haben die Region geprägt, die Umwelt und die Menschen geformt", sagt er. Schade findet Winter, dass die Hallen hinter dem Bergbaumuseum verfallen. In den Werkstätten musste er einst einen Meisel härten, erinnert er sich. Später habe er dort Veranstaltungen besucht. "Die Räume erinnern an viele Ereignisse." Das sei schon ein eigenartiges Gefühl. Aber in ein paar Jahren werde das wohl alles vergessen sein.

"Freie Presse" Stollberg und das Bergbaumuseum Oelsnitz wollen dieses Vergessen verhindern, sind an Erinnerungen interessiert, um sie zu veröffentlichen. "So eine Ausstellung wird mit Geschichten von jemandem, der den Wandel miterlebt hat, erst richtig spannend", ist sich Museumsleiter Jan Färber sicher. Und sie machen die Fotos auch ein wenig für jene erlebbar, die die Steinkohlezeit nur aus dem Geschichtsbuch kennen.

Bild oben: Ullrich Winter, Ortschronist von Oelsnitz.
Foto: A. Tannert (Archiv)

Bild mitte: Hedwig-Schacht und Friedens-Schacht Oelsnitz im Jahr 1886 (nach 1945: Albert-Jacob-Schächte I und II).
Foto: Archiv Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb.

Bild unten: Das Elektrizitätswerk auf einer Postkarte von etwa 1930. Das Werk wurde 1900 unter dem Namen "Erzgebirgisches Elektrizitätswerk" in Betrieb genommen.
Foto: Archiv Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgeb.


"Freie Presse" ist an Erinnerungen und Geschichten im Zusammenhang mit dem Wandel der Bergbaulandschaft interessiert. Beiträge bitte unter Angabe von Telefonnummer und Adresse entweder an Redaktion Stollberg, Herrenstraße 19 in 09366 Stollberg oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. schicken. Wer "Freie Presse" etwas zusendet, erklärt sich mit der Weiterleitung an das Bergbaumuseum einverstanden.

Die Ausstellung "Bergbaulandschaft im Wandel" ist bis zum 16. September im Bergbaumuseum Oelsnitz zu sehen. Danach wird sie in Lugau, Gersdorf und Hohndorf gezeigt.

in Freie Presse erschienen am 01.08.2012 ( Von Viola Gerhard )


 
 
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